Warum ist Gähnen ansteckend?
Stand: 5. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden
Achtung, gleich musst du gähnen. Manchen reicht es schon, nur darüber zu lesen oder zu hören.
Drei Minuten Video, 222 Gähner
Für eine Studie der Duke University schauten 328 Menschen ein dreiminütiges Video mit gähnenden Personen. 222 von ihnen gähnten mindestens einmal mit, manche bis zu 15 Mal. Die Forscherin Elizabeth Cirulli und ihr Kollege Alex Bartholomew veröffentlichten die Ergebnisse im März 2014 in PLOS ONE.
Die Reaktion erwies sich als stabile Eigenschaft, wenn man dieselben Personen mehrfach testete. Den einzigen unabhängigen Einfluss hatte das Alter. Ältere Menschen gähnten seltener mit, erklärt wurden damit aber nur 8 Prozent der Unterschiede.
Familie vor Freunden, Freunde vor Fremden
Eine beliebte Erklärung ist Mitgefühl. Eine Studie der Universität Pisa beobachtete 109 Erwachsene über ein Jahr und wertete 480 Gähnsituationen aus. Am häufigsten steckt Gähnen in der Familie an, danach unter Freunden, dann unter Bekannten und erst ganz zuletzt bei Fremden.
Beobachtet wurden Menschen aus Europa, Nordamerika, Asien und Afrika, 56 Frauen und 53 Männer. Die soziale Bindung wog schwerer als Geschlecht, Nationalität oder Situation. Der Befund passt zu früheren Arbeiten. Steven Platek beobachtete 2003, dass Menschen, die oft mitgähnen, mehr Empathie zeigten. Die Duke-Forscher fanden dagegen keinen klaren Zusammenhang mit Empathie, auch nicht mit Intelligenz oder Tageszeit. Auch Müdigkeit spielte keine nennenswerte Rolle. Die Forschung ist sich also uneins.
Kinder und Hunde
Kleinkinder lassen sich meist erst ab etwa vier Jahren anstecken. Das zeigte eine Studie der University of Connecticut mit 120 Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren, erschienen 2010 in Child Development. Auch Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung, die in der Studie etwas älter waren, gähnten seltener mit.
Und selbst Hunde gähnen mit. In einem Versuch der University of London gähnten 21 von 29 Hunden, wenn ein Fremder vor ihnen gähnte. Öffnete er nur den Mund, taten sie es nicht. Laut Wikipedia stecken sich Hunde erst ab etwa sieben Monaten an.
Was das Gähnen selbst soll
Gähnen selbst gibt es bei fast allen Wirbeltieren, von Säugetieren über Vögel und Reptilien bis zu Amphibien und Fischen. Dass es nur ein Zeichen für Sauerstoffmangel sei, gilt als widerlegt, das hat der Forscher Provine gezeigt. Eine Studie vom April 2014 fand außerdem, dass die Umgebungstemperatur die Gähnhäufigkeit beeinflusst, mit einem Optimum um 20 Grad. Warum das Gähnen dann auch noch ansteckt, bleibt vorerst offen.
Quellen: Spektrum, ScienceDaily (Duke, 2014), ORF Science, ScienceDaily (UConn, 2010), Wikipedia (Yawn)
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